Biwak am Schafsiedel

Biwak am Schafsiedel

Raus aus der Komfortzone wollen wir mal wieder. Kein Hotel, kein Gasthof, kein Airbnb, noch nicht mal ein Zelt über’m Kopf.  Ein Biwak irgendwo am Berg stellen wir uns vor, mitten in der Natur mit Spannung darauf, was uns in der Nacht alles begegnet.

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Unser Weg auf den Schafsiedel in den Kitzbüheler Alpen

Der Schafsiedel (2.447 m, Kitzbüheler Alpen) erscheint uns dafür perfekt. Bei unserer ersten Besteigung vor zwei Jahren fühlten wir uns wie in den schottischen Highlands. Vom Gasthaus Wegscheid auf 1.144 m erreicht man nach 600 Höhenmetern Aufstieg die Neue Bamberger Hütte (1.756 m). Von dort sind es noch 700 Höhenmeter bis zum Gipfel. Der Weg ist geprägt vom Wasser. An jeder Ecke sprudelt, fließt oder fällt es, das für die derzeitigen Temperaturen wichtige Nass.

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Sonnenuntergang und Biwak

Wir beschließen, erst am Abend aufzusteigen – 34 Grad sind uns definitiv zuviel. Die Sonne geht unter, wir gehen auf (wortwörtlich: eeendlich mal wieder am Berg unterwegs). Der Bergwetterbericht prophezeit uns eine sternenklare Nacht. Vor vollständiger Dunkelheit schaffen wir es bis zum mittleren Wildalmsee auf 2.044 m, wo wir uns ein (wie sich am Morgen herausstellt) windiges Plätzchen suchen. Iso-Matte, Schlaf- und Biwaksack heraus – es kühlt rasch ab. Wir verkriechen uns in die ungewohnt engen Schlafsäcke. Ja, im zwei Meter breiten Bett hat man mehr Möglichkeiten – aber eben keinen Sternenhimmel ;)

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Da isser – der große Wagen. Den erkenne ich immer sofort! Eine Unmenge an Sternen blinkt am Himmel. Ich stelle meinen Fokus auf “weit” und sehe mal im Westen, mal im Osten etwas aufblitzen, superkleine Sternschnuppen. Begeistert wechseln wir uns ab mit: “Da war wieder eine!” Auch ein paar größere Schnuppen sind dabei, aber auch sie sind nur Sekundenbruchteile zu sehen. Einfach einzigartig und schööön. In der Ferne bimmeln Kuhglocken. Oops… kriegen wir etwa Besuch? Die Müdigkeit verdrängt meine unsinnige, aufkeimende Vorstellung, dass unsere Schuhe in der Früh aufgefuttert sein könnten ;)

Die Füße doch noch etwas kalt (zumindest meine) schlafen wir tatsächlich ein. Der Halb-Mond geht irgendwann in der Nacht auf und taucht unsere hügelige Umgebung in ein unheimliches Licht. Mit jetzt warmen Füßen schlafe ich wieder ein und wache wieder auf und noch einmal das Ganze, bis um 4,45 Uhr früh der Wecker geht. Der wäre gar nicht nötig gewesen, ich wäre eh turnusmäßig wach gewesen ;)

Gipfelsturm im Sonnenaufgang

Unsere Schuhe sind auch noch da, also raus aus’m Schlafsack und brrrr…. kalt und windig ist es. Fix die Schlafsäcke eingerollt und eingepackt (wieso passen die eigentlich nach Gebrauch nie mehr in ihre Hülle?) und ab geht’s Richtung Gipfel. Es sind zwar nur noch 400 Höhenmeter, aber die ziehen sich verdammt in die Länge, so früh… Der Gedanke an unser Frühstück am Gipfel – die ‘Bergsteigerschnitte’ aus unserem Lieblings-Bioladen – zieht mich voran, bis die Sonne aufgeht. Unfucking-fassbar! Stehenbleiben! Genießen! Deswegen sind wir hier. Die Welt um uns herum glüht. Alles andere ist gerade wurscht. Solche Momente sind unbezahlbar.

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Neugierige Schafe am Gipfel

Eine anheimelnde Wärme macht sich breit, nicht nur im Herzen, auch in den Füßen. Mit dieser wandern wir die letzten steilen Höhenmeter hinauf, wo uns eine Schafherde und ein großartiger Ausblick erwartet. Wir wissen gar nicht, in welche Blickrichtung wir uns setzen sollen, weil die Fernsicht in alle Himmelsrichtungen atemberaubend ist. Jetzt macht die ‘Bergsteigerschnitte’ ihrem Namen endlich alle Ehre und hier oben schmeckt sie dreimal besser, achwas, siebenmal besser als am Schreibtisch. Ein paar mutige Schafe trauen sich immer näher heran und möchten wissen, was wir alles in unseren Rucksäcken haben. Ich mag Schafe… lustige, freche Bande.

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Bühne frei für’s Murmeltier

Und dann betritt ein Murmeltier die Showbühne. Zunächst läuft es zwischen den Felsen in einiger Entfernung hin und her. Wir erstarren, wollen es nicht verschrecken. Dann nähert es sich bis auf 6 m an und findet etwas scheinbar unwiderstehliches zum Fressen unter einem Stein. Wir schießen unzählige Fotos. Das stattliche Kerlchen läßt sich seine Mahlzeit überhaupt nicht von uns verderben – schaut uns sogar an. Wir beschließen, ihm einen Link zu unserer Website zu schicken, damit es sich die schönen Fotos anschauen kann ;-) .Wieder einer dieser unbezahlbaren Momente – wenn man so früh und damit (fast) allein am Berg unterwegs ist. Wir genießen die Zweisamkeit über eine Stunde lang, bis die nächsten Frühaufsteher herauf kommen. Dann brechen wir zum Rückweg auf. Schließlich haben wir noch 1.300 Höhenmeter im Abstieg vor uns und die Temperaturen steigen minütlich.

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Aus der Bamberger Hütte hören wir schon aus der Ferne den Ruf eines alkoholfreien Weissbieres. Jaaaa…. wir kommen! Das haben wir uns verdient und schmeckt mit Aussicht in die ‘schottischen Highlands’ besonders gut!

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